Ihre Praxis-Website darf ausführlich informieren: über Leistungen, Qualifikationen, Abläufe und Kosten. Was sie nicht darf: anpreisen, übertreiben oder Erfolge versprechen. Dieser Grundsatz — sachliche Information statt Anpreisung — zieht sich durch das Berufs- und Werberecht aller Gesundheitsberufe. Wer sich daran hält, ist rechtlich gut aufgestellt und wirkt nebenbei seriöser.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Wie eine Formulierung im Einzelfall zu beurteilen ist, klären Sie am besten mit Ihrer Berufsvertretung oder anwaltlich.
Welcher Grundsatz gilt für alle Gesundheitsberufe?
Für Physiotherapie, Psychotherapie und Tiermedizin gelten eigene Berufsgesetze und Standesregeln, dazu kommt das allgemeine Wettbewerbsrecht. Die Details unterscheiden sich, der Kern ist überall gleich: Aussagen über die eigene Arbeit müssen wahr, sachlich und überprüfbar sein. Der Schutz der Patient:innen und das Ansehen des Berufsstands stehen über dem Werbeinteresse der einzelnen Praxis.
Eine brauchbare Faustregel: Beschreiben ist erlaubt, Bewerten wird heikel. „Wir behandeln Kiefergelenksbeschwerden“ beschreibt. „Wir sind die erste Adresse bei Kiefergelenksbeschwerden“ bewertet — und lässt sich nicht belegen. Diese Regeln gelten übrigens überall, wo Sie öffentlich über Ihre Praxis schreiben: auf der Website, im Google-Profil, in sozialen Medien und im Wartezimmer-Folder.
Das schließt auch Bewertungen ein: Gekaufte oder erfundene Google-Bewertungen sind tabu. Und wer auf echte Bewertungen antwortet, tut das am besten knapp und allgemein — schon die Bestätigung, dass jemand in Behandlung war, kann die Verschwiegenheit berühren.
Warum sind Superlative und Heilversprechen riskant?
Superlative wie „die modernste Praxis der Region“ sind kaum beweisbar — und was sich nicht beweisen lässt, kann als irreführend gelten. Noch heikler sind Heilversprechen: Ob eine Behandlung anschlägt, hängt vom Einzelfall ab. Wer Schmerzfreiheit nach einer bestimmten Zahl von Einheiten in Aussicht stellt, verspricht etwas, das niemand garantieren kann. Dasselbe gilt für Vorher-nachher-Darstellungen, die einen sicheren Erfolg suggerieren.
Die möglichen Folgen reichen von Beschwerden bei der Berufsvertretung über Abmahnungen durch Mitbewerber bis zu wettbewerbsrechtlichen Verfahren. Mindestens ebenso schwer wiegt der Vertrauensschaden: Menschen mit gesundheitlichen Sorgen reagieren empfindlich auf Marktschreierei — zu Recht.
Was gilt in der Psychotherapie besonders streng?
In der Psychotherapie wird ein besonders zurückhaltender, sachlicher Ton erwartet. Der Grund liegt auf der Hand: Klient:innen suchen Hilfe in einer verletzlichen Situation. Erfolgsgeschichten, Dankesschreiben oder veröffentlichte Patientenstimmen sind hier tabu — sie vertragen sich auch schlecht mit der Verschwiegenheit, die diesen Beruf prägt. Ebenso wenig passt emotionalisierende Werbung, die schnelle Veränderung verheißt.
Physiotherapie und Tiermedizin haben etwas mehr Spielraum, etwa bei der Darstellung von Leistungsspektrum und Praxisausstattung. Sachlich bleiben müssen aber auch sie. Im Zweifel fährt jede Praxis gut damit, sich an der strengeren Auslegung zu orientieren.
Was dürfen Sie immer sagen?
Erfreulich viel — nämlich genau das, was Patient:innen wissen wollen:
- Ihre Leistungen: welche Beschwerden Sie behandeln, mit welchen Methoden Sie arbeiten und was in einer Einheit passiert.
- Ihre Qualifikationen: Ausbildung, Fortbildungen und Schwerpunkte — so, wie Sie sie tatsächlich erworben haben.
- Den Ablauf: wie der erste Termin aussieht, was mitzubringen ist, wie lange eine Einheit dauert.
- Die Kosten: Honorare, Verrechnung und Zuschüsse offen darzustellen ist nicht nur zulässig, sondern baut Vertrauen auf.
- Das Praktische: Öffnungszeiten, Erreichbarkeit, Barrierefreiheit, Parkmöglichkeiten.
Wie schreiben Sie sachlich und trotzdem einladend?
Sachlichkeit heißt nicht Amtsdeutsch. Sie dürfen verständlich, warm und in direkter Ansprache schreiben — nur eben ohne Übertreibung. Der wirksamste Ersatz für Werbesprache ist Konkretheit: Statt einer „einzigartigen Behandlungserfahrung“ beschreiben Sie, was in der ersten Einheit tatsächlich passiert — Gespräch, Befundung, gemeinsames Festlegen der Ziele. Das beantwortet echte Fragen und zeigt nebenbei, was Ihre Praxis von der Standard-Floskel unterscheidet.
Hilfreich ist der Blick von außen: Lesen Sie Ihre Texte, als wären Sie selbst auf der Suche. Bleibt nach jedem Absatz eine beantwortete Frage zurück — oder nur ein vages Gefühl ohne Inhalt? Eine konkrete, verständliche Beschreibung dessen, was jemanden bei Ihnen erwartet, überzeugt mehr als jedes Werbe-Adjektiv. Sachlichkeit ist im Gesundheitsbereich kein Nachteil — sie ist der Ton, dem Menschen vertrauen.